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Akute Venenerkrankungen

Akute Venenerkrankungen

Oberflächliche Venenentzündung (oberflächliche Venenthrombose oder Thrombophlebitis)

Die oberflächliche Venenthrombose oder Thrombophlebitis ist eine akute Entzündung der Venenwand mit Thrombusbildung (Blutgerinnsel) in einer oberflächlichen Vene. Die betroffene Vene ist verhärtet, druckschmerzhaft und gerötet. Die Thrombophlebitis kann sich nach proximal oder distal ausdehnen und auch das tiefe Venensystem betreffen (tiefe Beinvenenthrombose). Eine Lungenembolie kann als Komplikation auftreten.

Die Basisbehandlung besteht im Tragen von medizinischen Kompressionsstrümpfen von SIGVARIS (Kompressionsklasse 2), allenfalls in Kombination mit lokalen entzündungshemmenden Gelen. In ausgedehnteren Fällen und immer bei drohender oder eingetretener Mitbeteiligung der tiefen Venen wird die Antikoagulantientherapie mit niedermolekularen Heparinen empfohlen. Eine chirurgische Behandlung kann im Einzelfall indiziert sein.

Tiefe Venenthrombose (Phlebothrombose)

Die tiefe Beinvenenthrombose (TVT) ist die Bildung eines Blutgerinnsels in einer tiefen Beinvene. Ursache der TVT ist eine Kombination aus folgenden Faktoren (Virchowsche Trias):

  • Verlangsamung des Blutflusses
  • Veränderungen der Blutzusammensetzung 
  • Schädigung der Venenwand

Die Verlangsamung des Blutflusses kann im Rahmen einer Immobilität eintreten (verlängerte Bettruhe, Tragen von Gips, langes Reisen in Flugzeugen, Bahn oder Auto mit langem Sitzen). Die Veränderung der Blutzusammensetzung kann z.B. aufgrund von hormonellen Behandlungen, Rauchen oder Krebs stattfinden. Ein Defekt der Gefässwände kann nach allen Arten von Verletzungen (z.B. Traumata, entzündliche Erkrankungen) auftreten. Angeborene oder erworbene Defekte im Gerinnungssystem sind weitere Risikofaktoren. Ältere Menschen haben ein höheres Risiko für tiefe Venenthrombosen. 

Die häufigsten Symptome der TVT sind:

  • Plötzlich aufgetretene schmerzhafte Schwellung des Beins
  • Akute Schmerzen in der Wade 
  • Verhärtung der Wade

Die Wadenschmerzen können das Gehen erschweren. Ein Gefühl von Wärme sowie eine leicht blaue oder rote Färbung der Haut kann ebenfalls beobachtet werden. Jedoch treten in fast 50% aller Fälle von TVT nur minimale oder atypische Symptome auf. Wenn der Verdacht auf eine TVT besteht, muss sofort ein Arzt aufgesucht werden, um die Diagnose zu bestätigen oder auszuschliessen. Die Untersuchung erfolgt in aller Regel schmerzfrei mittels Ultraschall, eventuell ergänzt durch eine Blutuntersuchung auf Aktivierung der Blutgerinnung (D-Dimer Test). Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung reduziert die Gefahr von schweren Komplikationen.

Die Behandlung einer tiefen Venenthrombose besteht in der Gabe gerinnungshemmender Medikamente und dem Tragen medizinischer Kompressionsstrümpfe von SIGVARIS (Kompressionsklasse 2). Diese beseitigen die Symptome meist schnell und ermöglichen es, mobil und aktiv zu bleiben. Die Behandlung (Medikament und Kompression) wird meist über mehrere Wochen oder Monate durchgeführt. Das Hauptrisiko bei einer TVT ist die Entwicklung einer Lungenembolie. Dieses Risiko ist jedoch minimal, wenn die Behandlung eingeleitet wurde. Daher kann die Behandlung in den meisten Fällen ambulant durchgeführt werden.

Lungenembolie (LE)

Die Lungenembolie ist eine lebensbedrohende Komplikation der tiefen Beinvenenthrombose. Eine Lungenembolie tritt auf, wenn sich das Blutgerinnsel oder ein Teil davon (Embolus) ablöst und über die rechte Herzseite in die Lunge wandert. Dort verschliesst der Embolus eine Lungenarterie. In den meisten Fällen ist nur eine kleine Lungenarterie betroffen und der Patient entwickelt keine Beschwerden. Je grösser die verstopfte Arterie ist um so ausgeprägter sind die Konsequenzen. Die Zeichen einer Embolie sind akute Schmerzen in der Brust, Angst, Atemnot, blutiger Auswurf (Spucke) beim Husten, ein bedeutender Blutdruckabfall und schneller Herzschlag. Diese Symptome können auch bei anderen Erkrankungen auftreten, wodurch eine Lungenembolie nicht immer sofort erkannt werden kann. Nur spezifische Tests ermöglichen eine korrekte Diagnose, wie z.B. eine computertomographische Untersuchung der Lunge.

Wenn die oben genannten Beschwerden auftreten, müssen notfallmedizinische Massnahmen ergriffen werden. Die Behandlung schliesst gerinnungshemmende Medikamente ein.

Postthrombotisches Syndrom

Nach einer tiefen Beinvenenthrombose kann sich der Thrombus vollständig auflösen, ohne die Vene dauerhaft zu schädigen. In der Mehrzahl der Fälle bleibt aber eine Vene mit Wandunregelmässigkeiten, eventuell dauerhaften Verschlüssen und meist mit geschädigten und schlussunfähigen Klappen zurück. Als Folge kann es zu Beschwerden wie Schwere- und Schwellungsgefühl aber auch zu Ödem und Hautveränderungen bis hin zum Ulcus cruris kommen. Diese Form der Chronischen Venösen Insuffizienz bezeichnet man als Postthrombotisches Syndrom (PTS). Ein Drittel der Patienten mit TVT entwickeln ein solches PTS. Wenn nach einer TVT regelmässig medizinische Kompressionsstrümpfe von SIGVARIS (Kompressionsklasse 2 oder 3) getragen werden, kann in der Hälfte der Fälle ein PTS verhindert werden.

Krampfaderblutung

Das spontane oder durch Verletzung (kratzen) ausgelöste „Platzen“ einer Krampfader kann zu einer starken Blutung führen. In den meisten Fällen sind kleine sehr oberflächlich gelegene Besenreiservarizen im Unterschenkelbereich oder Venen in Unterschenkelgeschwüren betroffen. Die Varizenblutung ist eine ernste Komplikation, wenn sie nicht sofort behandelt wird. Um die Blutung zu stoppen, halten Sie das Bein über Herzhöhe und üben mit den Fingern einen konstanten Druck auf die Wunde aus. Machen Sie keine Blutsperre. Die Blutung wird nach ein paar Minuten stoppen. Dann legen Sie einen festen Verband über der blutenden Stelle an und suchen umgehend Ihren Arzt auf. Dieser kann die betroffene Vene unterbinden oder veröden.