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Meine Mami, die Heldin

Meine Mami, die Heldin

 

Meine Mami, die Heldin

Seit mehr als neun Monaten bin ich Mitbewohnerin bei meiner Mami. Bald muss ich meine gemütliche 1-Zimmerwohnung jedoch verlassen. Was mich erwartet, kann ich mir mittlerweile ziemlich gut vorstellen. Schliesslich habe ich am Leben meiner Eltern schon munter teilgenommen.

Oh! Ich vergass, mich Ihnen vorzustellen. Mein Name ist Alicia Schmid. Ich lebe in Lenzburg beziehungsweise im Bauch meiner Mami. Meinen Vornamen habe ich mir übrigens selbst ausgesucht, und meiner Mami über Morsezeichen mit meinen kleinen Babyfüsschen mitgeteilt.

Meine Mami bemerkte meinen Einzug nach etwa vier Wochen. Ab diesem Zeitpunkt begann sie, mich zu lieben. Während ich wuchs und wuchs, war Mami übel. Wochenlang. Sie hütete mich und das Bett. Lesen oder gemütlich fernsehen? Fehlanzeige. Sie war zu erschöpft.

Ab der berühmten zwölften Schwangerschaftswoche kamen die Lebensgeister und der Appetit zurück, und sie schlug sich wieder den Bauch voll. Ich schlemmte mit und freute mich des Lebens.

 

Mami arbeitete wieder und rannte herum wie ein Speedy Gonzalez. Es war ziemlich viel los – nicht nur bei Mami und mir, sondern auch bei Papi. Er wurde nämlich in den Stadtrat von Lenzburg gewählt. Das war grossartig. Mami und ich feierten euphorisch mit. Ich schlug Purzelbäume und Saltos. Während ich freudig im Wasser plantschte, sass Mami auf dem Trockenen. Das machte ihr aber nichts aus – jedenfalls vermisste sie den Alkohol weniger als die anderen feinen Dinge aus der «Liste der verbotenen Lebensmittel» für Schwangere. Leckeres Sushi, zarte Mozzarella oder grobkörniger Salami – allesamt verboten. Die Liste ist länger als die AGB so mancher Firma. Dafür gab es häufig leckeres Fast Food. Ich mochte das. Mami machte sich allerdings ab und zu Sorgen, ich könnte ein riesiges Pommes Frites werden.

Im sechsten Monat bekam Mami schwere Beine. Deshalb hat sie sich Kompressionsstrümpfe angeschafft. Und siehe da – Speedy Gonzalez war wieder am Start! Trotz des immer dicker werdenden Bauches und den immer schwereren Beinen, konnte Mami dank der Strümpfe die nächsten Wochen und Monate weiterhin Events bei der Arbeit organisieren und Papi bei seinen Terminen begleiten. Ab dem achten Monat gab sie aber Forfait und verbrachte die verbleibende Zeit bis zu meiner Geburt zu Hause. Endlich! Endlich konnten wir es uns gutgehen lassen und sie ihre Beine hochlegen.

Die Zeit verbrachten wir schlafend, badend und lesend. Oft begleitete mich das monotone Rattern der Nähmaschine, denn Mami nähte fleissig Kleidchen, Söckchen und Plüschtiere. Nebenbei baute sie aus unserer Wohnung ein regelrechtes Nest. Papi war dann noch im Militär – fast einen Monat lang! Das machte Mami traurig, und mich auch. Ich war mittlerweile auf die Grösse eines kleinen Kürbisses gewachsen, hatte nur noch wenig Platz zum Turnen und vermisste Papis sanfte Stimme. Doch auch diese Zeit ging vorüber.

Kurz vor meiner Geburt mutierte Mami zur Wasserflasche und ich zur Wassermelone. In den Händen und Beinen sammelte sich das Wasser. Die Kompressionsstrümpfe erwiesen aber auch hier ihren Dienst. Obwohl ich kein Französisch spreche, weiss ich: «Rien ne va plus» – nichts ging mehr. Mami hatte langsam genug – und ich auch.

Endspurt, heute geht’s los. Ich spüre es, und Mami spürt es auch. Trotzdem sind meine Eltern heute noch bei ihrer Bank wegen einer Hypothek. Nächstes Jahr ziehen wir nämlich in ein schönes Haus mit Garten. Im Anschluss an den Termin hat Papi eine Sitzung und Mami macht es sich vor dem Fernseher bequem. Noch während der Bachelor seine Rosen verteilt, verliert Mami ihr Fruchtwasser. Ach, unser schöner Parkettboden!

Ich bin kein Star. Aber rausgeholt haben sie mich trotzdem. Jetzt bin ich endlich da, und kann alle persönlich kennenlernen. Während ich jetzt – verkehrte Welt – auf dem Trockenen sitze, stösst Mami mit Papi an. Meine liebe, schöne Mami. Meine Heldin. Mehr als neun lange Monate musste sie mich herumtragen und mit mir durch gute und schlechte Zeiten gehen. Ich schaue in ihre grossen, mandelförmigen Augen und sehe nur Liebe – bedingungslose Liebe, die verspricht, immer für mich da zu sein.

 

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Was Alicia und ihre Familie erlebt haben, ist ein Wunder der Natur. Die Phasen, welche die werdende Mutter während der Schwangerschaft durchlebt, sind für den Körper anspruchsvoll. Für die strapazierten Beinen gibt es glücklicherweise eine Linderung. Mit den Kompressionsstrümpfen können unter anderem Venenleiden und schwere, müde Beine vermieden werden. Eine Studie hat ergeben, dass Kompressionsstrümpfe auch die Symptome von Übelkeit und Erbrechen in der frühen Schwangerschaft lindern können*. Hätte die Mami von Alicia dies dazumal gewusst, wäre ihr wahrscheinlich einiges erspart geblieben.

 

* Quellenangabe:

A randomized crossover trial on the effect of compression stockings in nausea and vomiting in early pregnancy. Mendoza E, Amsler F. Int J Womens Health. 2017:9 89-99.

 

Mehr Informationen

https://www.sigvaris.com/schweiz/de-ch/indikationen/schwangerschaft